Wir leben in einer Zeit, in der Menschen Säcke voller Dünger kaufen, während gleichzeitig überall um uns herum wertvolle Nährstoffe entsorgt werden.
Haare landen im Müll.
Küchenabfälle in der Biotonne.
Laub wird weggefahren.
Brennnesseln bekämpft.
Rasenschnitt entsorgt.
Und anschließend kaufen wir industriell verarbeitete Dünger zurück. Oder Erde vom Kompostwerk, wo Sachen drin sind darüber möchte ich jetzt nicht reden… Ich sag nur Glyphosat. Ja davon wird in den Gärten noch sehr viel versprüht. Dabei funktioniert Natur seit Millionen von Jahren über Kreisläufe – nicht über externe Inputs. Genau hier beginnt für mich Permakultur: Nicht ständig neue Produkte kaufen zu müssen, sondern zu erkennen, was bereits vorhanden ist und mit der Natur zu arbeiten statt gegen sie.

FRUCHTBARKEIT IST ÜBERALL
In einem natürlichen Ökosystem gibt es keinen „Abfall“. Alles wird wieder zu Nahrung:
- Blätter werden zu Humus
- Pflanzenreste vom Bodenleben zersetzt
- abgestorbenes Material zu neuer Fruchtbarkeit
Der Boden wird nicht „gefüttert“, indem man künstlich eingreift. Er wird aufgebaut, indem Kreisläufe geschlossen werden. So füttern wir das Bodenleben, dass durch Ausscheidungen den Pflanzen die wichtigen Nährstoffe zur Verfügung stellt.
Viele vermeintliche „Abfälle“ im Haushalt oder Garten enthalten enorme Mengen an:
- Stickstoff
- Kalium
- Phosphor
- Mineralstoffen
- Spurenelementen
- organischer Substanz
Und genau daraus entsteht langfristig fruchtbarer Boden.
1. Haare und Nägel statt Hornspäne
Menschen- oder Tierhaare und Nägel bestehen zu großen Teilen aus Keratin und enthalten überraschend viel Stickstoff. Sie zersetzen sich zudem langsam und wirken dadurch ähnlich wie Langzeitdünger.
Besonders geeignet für:
- Kürbis
- Kohl
- Mais
- Tomaten
- Zucchini
Haare können:
- direkt in Pflanzlöcher
- unter Mulch
- oder in Kompost eingebracht werden.
Ein faszinierender Gedanke eigentlich:
Etwas, das normalerweise entsorgt wird, kann Pflanzenwachstum fördern.
2. Brennnesseln statt Flüssigdünger
Die Brennnessel ist meiner Meinung nach eine der wahrscheinlich unterschätztesten Pflanzen Europas.
Sie:
- sammelt Mineralstoffe aus tieferen Bodenschichten
- enthält viel Stickstoff
- aktiviert Bodenleben
- wächst extrem schnell
- bietet Futter für Schmetterlingsraupen
- man kann Mehl aus ihr machen
Aus ihr lässt sich ganz einfach Brennnesseljauche herstellen:
- Brennnesseln in Wasser geben
- 4-5 Tage fermentieren lassen, bis eine milchige Schicht entsteht
- verdünnt gießen – 1/10 mit Wasser vermischt
Das Ergebnis:
ein hochwirksamer natürlicher Pflanzendünger.
Noch spannender:
Die Pflanze wächst kostenlos direkt neben dem Garten und funktioniert auch mit Beinwell.
3. Küchenabfälle als Pflanzennahrung
Wir wollen das Bodenleben füttern, dass dann die Pflanzen ernährt. Gemüseabschnitte, Kräuterreste oder Schalen sind dafür sehr gut, denn sie enthalten weiterhin wertvolle Nährstoffe.
Statt sie wegzuwerfen, können sie:
- kompostiert
- fermentiert
- oder sogar direkt gemixt werden.
Ein einfacher Ansatz:
Küchenreste mit Wasser mixen und 1/10 verdünnt verwenden.
Besonders:
- Salatreste
- Kräuter
- Karottenschalen
- überreife Gemüse
- Pflanzenabschnitte
- Rohe Küchenabfälle aller Art
eignen sich hervorragend.
Natürlich ersetzt das keinen ausgereiften Kompost – aber es zeigt, wie viele Ressourcen täglich verloren gehen – denn das Bodenleben kümmert sich dann schon darum.


Vorher / Nachher von den Küchenresten im Mixer
4. Grünschnitt eingraben
Jede grüne Pflanze ist gespeicherte Sonnenenergie.
Wenn wir:
- Rasenschnitt
- Beinwell
- Pflanzenreste
- Laub
- Ernterückstände
in den Boden zurückführen, bringen wir:
- organische Masse
- Nährstoffe
- Feuchtigkeit
- Mikroorganismen
zurück ins System.
Vor allem Beinwell ist hier spannend:
Er wurzelt tief, sammelt Mineralstoffe und produziert enorme Biomasse.
Deshalb wird er oft als „Düngerpflanze“ genutzt.
5. Laub – der unterschätzte Bodenschatz
Viele Menschen sehen Laub als Problem.
Im Wald ist es jedoch die Grundlage fruchtbarer Böden.
Laub:
- schützt den Boden
- hält Feuchtigkeit
- ernährt Pilze
- baut Humus auf
- fördert Regenwürmer
Gerade in naturnahen Gärten kann Herbstlaub Gold wert sein.
6. Urin – einer der ältesten Dünger der Menschheit
Ein Thema, über das kaum gesprochen wird:
verdünnter menschlicher Urin.
Er enthält:
- Stickstoff
- Phosphor
- Kalium
also genau jene Stoffe, die auch viele Dünger enthalten.
Richtig verdünnt (1/10) kann er ein sehr wirksamer Pflanzendünger sein. Historisch wurde er weltweit genutzt – lange bevor industrielle Düngemittel existierten. Und nein… die Rückstände darin sind nicht bedenklich, wenn man die neusten Studien dazu liest.




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